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Schumann - Poet's Love

(Dichteliebe)

1.

Im wunderschönen Monat Mai

 

Im wunderschönen Monat Mai,

Als alle Knospen sprangen,

Da ist in meinem Herzen

Die Liebe aufgegangen.

 

Im wunderschönen Monat Mai,

Als alle Vögel sangen,

Da hab’ ich ihr gestanden

Mein Sehnen und Verlangen.

2.

Aus meinen Tränen sprießen

 

Aus meinen Tränen spriessen

Viel blühende Blumen hervor,

Und meine Seufzer werden

Ein Nachtigallenchor.

 

Und wenn du mich lieb hast, Kindchen,

Schenk’ ich dir die Blumen all’,

Und vor deinem Fenster soll klingen

Das Lied der Nachtigall.

3.

Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne

 

Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne,

Die liebt’ ich einst alle in Liebeswonne.

Ich lieb’ sie nicht mehr, ich liebe alleine

Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine;

Sie selber, aller Liebe Wonne,

Ist Rose und Lilie und Taube und Sonne.

ich liebe alleine, die Kleine,

die Feine, die Reine, die Eine.

4.

Wenn ich in deine Augen seh

 

Wenn ich in deine Augen seh’,

So schwindet all’ mein Leid und Weh’;

Doch wenn ich küsse deinen Mund,

So werd’ ich ganz und gar gesund.

 

Wenn ich mich lehn’ an deine Brust,

Kommt’s über mich wie Himmelslust;

Doch wenn du sprichst: ich liebe dich!

So muss ich weinen bitterlich.

5.

Ich will meine Seele tauchen

 

Ich will meine Seele tauchen

In den Kelch der Lilie hinein;

Die Lilie soll klingend hauchen

Ein Lied von der Liebsten mein.

 

Das Lied soll schauern und beben,

Wie der Kuss von ihrem Mund,

Den sie mir einst gegeben

In wunderbar süsser Stund’.

6.

Im Rhein, im heiligen Strome

 

Im Rhein, im heiligen Strome,

Da spiegelt sich in den Well’n

Mit seinem grossen Dome,

Das grosse, heilige Köln.

 

Im Dom da steht ein Bildnis,

Auf gold’nem Leder gemalt;

In meines Lebens Wildnis

Hat’s freundlich hineingestrahlt.

 

Es schweben Blumen und Eng’lein

Um unsre liebe Frau;

Die Augen, die Lippen, die Wäng’lein,

Die gleichen der Liebsten genau.

7.

Ich grolle nicht

 

Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht,

Ewig verlor’nes Lieb, ewig verlor’nes Lieb!

ich grolle nich, ich grolle nicht.

Wie du auch strahlst in Diamantenpracht,

Es fällt kein Strahl in deines Herzens Nacht.

Das weiss ich längst.

 

Ich grolle nicht, und wenn das Herz auch bricht,

Ich sah dich ja im Traume,

Und sah die Nacht in deines Herzens Raume,

Und sah die Schlang’, die dir am Herzen frisst,

Ich sah, mein Lieb, wie sehr du elend bist.

Ich grolle nicht, Ich grolle nicht.

8.

Und wüßten's die Blumen, die kleinen

 

Und wüssten’s die Blumen, die kleinen,

Wie tief verwundet mein Herz,

Sie würden mit mir weinen,

Zu heilen meinen Schmerz.

 

Und wüssten’s die Nachtigallen,

Wie ich so traurig und krank,

Sie liessen fröhlich erschallen

Erquickenden Gesang.

 

Und wüssten sie mein Wehe,

Die goldenen Sternelein,

Sie kämen aus ihrer Höhe,

Und sprächen Trost mir ein.

 

Sie alle können’s nicht wissen,

Nur eine kennt meinen Schmerz:

Sie hat ja selbst zerrissen,

Zerrissen mir das Herz.

9.

Das ist ein Flöten und Geigen

 

Das ist ein Flöten und Geigen,

Trompeten schmettern darein,

Trompeten schmettern darein;

Da tanzt wohl den Hochzeitsreigen

Die Herzallerliebste mein,

die Herzallerliebste mein.

 

Das ist ein Klingen und Dröhnen,

das ist ein Klingen und Dröhnen,

Ein Pauken und ein Schalmei’n;

Dazwischen schluchzen und stöhnen,

dazwischen schluchzen und stöhnen

die lieblichen Engelein.

10.

Hör' ich das Liedchen klingen

 

Hör’ ich das Liedchen klingen,

Das einst die Liebste sang,

So will mir die Brust zerspringen

Von wildem Schmerzendrang.

 

Es treibt mich ein dunkles Sehnen

Hinauf zur Waldeshöh’,

Dort löst sich auf in Tränen

Mein übergrosses Weh’.

11.

Ein Jüngling liebt ein Mädchen

 

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,

Die hat einen andern erwählt;

Der andre liebt eine andre,

Und hat sich mit dieser vermählt.

 

Das Mädchen nimmt aus Ärger

Den ersten besten Mann,

Der ihr in den Weg gelaufen;

Der Jüngling ist übel dran.

 

Es ist eine alte Geschichte,

Doch bleibt sie immer neu;

Und wem sie just passieret,

Dem bricht das Herz entzwei.

12.

Am leuchtenden Sommermorgen

 

Am leuchtenden Sommermorgen

Geh’ ich im Garten herum.

Es flüstern und sprechen die Blumen,

Ich aber wandle stumm.

 

Es flüstern und sprechen die Blumen,

Und schau’n mitleidig mich an:

„Sei unsrer Schwester nicht böse,

Du trauriger, blasser Mann.“

13.

Ich hab' im Traum geweinet

 

Ich hab’ im Traum geweinet,

Mir träumte, du lägest im Grab.

Ich wachte auf, und die Träne

Floss noch von der Wange herab.

 

Ich hab’ im Traum geweinet,

Mir träumt’, du verliessest mich.

Ich wachte auf, und ich weinte

Noch lange bitterlich.

 

Ich hab’ im Traum geweinet,

Mir träumte, du wär’st mir noch gut.

Ich wachte auf, und noch immer

Strömt meine Tränenflut.

14.

Allnächtlich im Traume

 

Allnächtlich im Traume seh’ ich dich

Und sehe dich freundlich grüssen,

Und laut aufweinend stürz’ ich mich

Zu deinen süssen Füssen.

 

Du siehest mich an wehmütiglich

Und schüttelst das blonde Köpfchen;

Aus deinen Augen schleichen sich

Die Perlentränentröpfchen.

 

Du sagst mir heimlich ein leises Wort

Und gibst mir den Strauss von Zypressen.

Ich wache auf, und der Strauss ist fort,

Und’s Wort hab’ ich vergessen.

15.

Aus alten Märchen

 

Aus alten Märchen winkt es

Hervor mit weisser Hand,

Da singt es und da klingt es

Von einem Zauberland;

 

Wo bunte Blumen blühen

Im gold’nen Abendlicht,

Und lieblich duftend glühen,

Mit bräutlichem Gesicht;

 

Und grüne Bäume singen

Uralte Melodei’n,

Die Lüfte heimlich klingen,

Und Vögel schmettern drein;

 

Und Nebelbilder steigen

Wohl aus der Erd’ hervor,

Und tanzen luft’gen Reigen

Im wunderlichen Chor;

 

Und blaue Funken brennen

An jedem Blatt und Reis,

Und rote Lichter rennen

Im irren, wirren Kreis;

 

Und laute Quellen brechen

Aus wildem Marmorstein.

Und seltsam in den Bächen

Strahlt fort der Widerschein.

 

Ach, ach, könnt’ ich dorthin kommen,

Und dort mein Herz erfreu’n,

Und aller Qual entnommen,

Und frei und selig sein!

 

Ach! jenes Land der Wonne,

Das seh’ ich oft im Traum,

Doch kommt die Morgensonne,

Zerfliesst’s wie eitel Schaum,

Zerfliesst’s wie eitel Schaum.

16.

Die alten, bösen Lieder

 

Die alten, bösen Lieder,

Die Träume bös’ und arg,

Die lasst uns jetzt begraben,

Holt einen grossen Sarg.

 

Hinein leg’ ich gar manches,

Doch sag’ ich noch nicht was;

Der Sarg muss sein noch grösser,

Wie’s Heidelberger Fass.

 

Und holt eine Totenbahre

Und Bretter fest und dick;

Auch muss sie sein noch länger,

Als wie zu Mainz die Brück’.

 

Und holt mir auch zwölf Riesen,

Die müssen noch stärker sein

Als wie der starke Christoph

Im Dom zu Köln am Rhein.

 

Die sollen den Sarg forttragen,

Und senken ins Meer hinab;

Denn solchem grossen Sarge

Gebührt ein grosses Grab.

 

Wisst ihr, warum der Sarg wohl

So gross und schwer mag sein?

Ich senkt’ auch meine Liebe

Und meinen Schmerz hinein.

1.

How lovely is the month of May

 

How lovely is the month of May

when all the buds are bursting,

within my heart is rising

the love of which I'm thirsting.

 

How lovely is the month of May,

when all the birds are singing,

I told my love the secret

of my desire and longing.

2.

Where'er my tears are falling

 

Where'er my tears are falling

the flowers of my love will soon throng,

and in my sighing rises

a Nightingale's sweet song.

 

And if my dear child you love me,

all the flowers to you I'll bring,

and before your window in chorus

the Nightingale shall sing.

3.

The rose and the lily

 

The rose and the lily, the dove and the sun,

once I loved with my heart, yes I loved every one.

I love them no more, I give all my love to the

dearest, the fairest, the purist, the only one.

She is my own delightful love, she’s my rose

and my lily, my sun and my dove.

Yes, I give all my love to the dearest

the fairest, the purist, the only one, the only one.

4.

I gaze into your tender eyes

 

I look once more into your eyes

and all my pain and sorrow flies;

and when I kiss those lips adored,

my very being is restored.

 

When I recline upon your breast,

comes all delight and heavenly rest;

But when you say: 'I love thee',

then I must weep most bitterly.

5.

I plunge my soul in the lily's petals

 

I'll plunge my soul deeply

in the lily's petals divine;

The lily shall echo my sighing,

the song of this love of mine.

 

That song shall flutter and quiver,

like the trembling of her kiss.

The kiss that she once gave me

in wonderful sweetest bliss.

6.

The Rhine's Holy River

 

The Rhine most sacred of rivers,

reflects the shimmering stone.

That vast and spired cathedral,

that great and holy Cologne.

 

Inside there stands a portrait

on golden leather so bright;

Which on my life's own wilderness

sheds kindliest rays of light.

 

Above our lady angels hover and

round her flowers grow;

The eyes soft reflection, the lips and complexion,

reminds me of the one I used to know.

7.

I bear no grudge

 

No grudge I bear although my heart must break.

For ever lost is love, for ever lost is love,

I bear no grudge, I bear no grudge.

I saw you shine in diamonds splendour bright,

Yet not one ray falls in your hearts dark night.

I've known it long.

 

No grudge I bear although my heart must break.

In dreams when I am sleeping

I see the night that in your soul is creeping.

I see the serpent feeding on your heart,

I see my love how wretched now you are.

No grudge I bear within my heart.

8.

If only the tiniest flowers

 

If only the tiniest flowers

could know my pain and my grief,

I'm sure they would weep with me

to help me find relief.

 

If nightingales also knew it,

how sick I am and how sad,

they would relieve all my sorrow

with songs to make me glad.

 

And If they knew my sadness,

the bright little golden stars

would come down to me from heaven

with words to end my cares.

 

But none of them know my sorrow,

one only has played her part,

for she indeed has broken,

has broken my poor heart.

9.

The flutes and fiddles are playing

 

The flutes and fiddles are playing,

the trumpets flourish and bray,

the trumpets flourish and bray.

The girl that I loved is dancing,

is this then her wedding day?

is this then her wedding day?

 

With all the piping and droning,

With all the piping and droning,

and drumming that fills the air.

I hear the sobbing and groaning,

I hear the sobbing and groaning

of angels in dark despair.

10.

If little songs remind me

 

If little songs remind me

of those she used to sing,

with anguish my heart is breaking

wild thoughts and grief they bring.

 

And driven by darkest longing

to hillside woods I climb,

and there dissolves in weeping

this deepest grief of mine.

11.

A boy once loved a maiden

 

A boy once loved a maiden,

she sighed for another instead,

but he in turn loved another

and soon he was happily wed.

 

The maiden felt rejected

and without care or heed,

she wed the next man to woo her,

the first boy was hurt indeed.

 

It is a familiar story

but stays for ever new

and every time it happens

it breaks a heart in two.

12.

Alone on a summer morning

 

Alone on a summer morning,

sadly the garden I roam.

Around me the flowers are whispering,

I walk in silence on.

 

The flowers are still whispering together

they know how wretched I am.

“Please bear our sister no malice

you pale and so sorrowful man”.

13.

I wept as I lay dreaming

 

I wept as I was dreaming,

a grave was your resting place.

Then I awoke, and a tear drop

rolled down my trembling face.

 

I wept as I was dreaming

I dreamt you were gone from me,

Then I awoke, and remembering,

wept long and bitterly.

 

I wept as I was dreaming,

I dreamt that your heart was still true.

Then I awoke, and the teardrops

flowed from my eyes anew.

14.

Each night time I see you

 

Each night time I see you in my dreams,

and there you are smiling, smiling kindly

and sobbing loudly through my tears

I fall before you blindly.

 

And sadly your eyes gaze into mine,

and shaking your head as if recalling,

and stealing slowly from your eyes

like pearls the tears are falling.

 

You whisper softly a secret word

and gave me the cypress wreath as a token.

Then I awake, and the wreath is gone,

the word I have forgotten.

15.

Old Fairy tales

 

Old Fairy tales entice us to

come with beckoning hand.

There's singing and there's ringing

as from a magic land.

 

Where many flowers are blooming

in golden eventide,

and sweetly scented glow

like the face of every bride.

 

And green trees are singing

the tunes forgotten long,

and breezes softly murmur

to birds melodious song.

 

And misty shapes appearing

are rising from the ground,

they dance in airy circles

in chorus round and round.

 

And sapphire sparks are burning

on every leaf and twig,

and bright red lights are

skipping a weird confusing jig.

 

Loud springs rush out from marble

and wildly rush downstream,

as strangely on those rivers

the weird reflections gleam.

 

Ah, ah, if I could only go there

to free my heart from pain,

so I could end my torment

and peace and joy regain.

 

I dream of that dear country,

a land to make my home,

but comes the morning sun,

dissolving dreams like foam,

dissolving dreams like foam.

16.

The bad old songs are gone

 

The bad old songs are gone now,

the painful dreams are past.

Its time they now were buried,

fetch me a coffin vast.

 

So much I lay inside it,

but what, I'll not say yet.

The coffin must be larger

than Heidelberg's great vat.

 

And fetch me a funeral carriage

with timbers thick and strong.

It must be even larger

than the bridge at Mainz is long.

 

And now I need twelve giants

the strongest of all their race,

as strong as Saint Christopher

in Cologne's most holy place.

 

The coffin they now shall carry

to plunge in the ocean's wave,

for such a mighty coffin

deserves a mighty grave.

 

So now you know the reason

the coffin was so vast.

I'm drowning all my love there,

so all my grief is past.

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